#Lassehatteweihnachtsfeier – Der zweite Teil

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#Lassehatteweihnachtsfeier – Lauf-Tagebuch von einem, der auszog ein Läufer zu werden

Lasse läuft und Lasse schreibt – über seinen unmenschlichen Weg zu einer außergewöhnlichen Leistung. Der über Jahre im Breitensport erfolglos agierende Autor macht den Menschen in diesem Land Hoffnung. Seine These: Auch Sie können aus Ihrem Hier und Jetzt ausbrechen und als prinzipiell mittelmäßiger Hobbysportler eine annehmbare Leistung vollbringen.

Natürlich werden die Wenigsten den gleichen Weg gehen. Das ist wie mit Kochsendungen: Die Gerichte kocht auch keiner nach. Aber der Wille zählt, der Berg ruft. Und nicht vergessen, immer an das olympische Motto denken: Man muss nicht unbedingt der Beste sein. Es reicht völlig, wenn man gewinnt.

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Lauf-Tagebuch, Teil zwei

Samstag, 27.02.2016

Der Trauzeuge, Marcus und ich sitzen nach der letzten Talfahrt dieses Tages an der Pilzbar. Aus den Lautsprechern dröhnt mehr oder weniger Liedgut. Vor uns steht der ehemalige deutsche Fußballnationalspieler Metzelder und zapft Bier. Er ist inkognito hier, denn auch auf mehrmaliges Nachfragen hin, bestreitet er vehement, Christoph zu heißen. Wir erklären ihm, dass wir ihm nicht glaubten und besser wüssten, wer er sei. Trotzdem will er uns keine Autogramme geben.

So viel Hochnäsigkeit verärgert uns, und wir kommunizieren dies lautstark. Ein Fehler, wie sich herausstellt. Denn von nun an lässt der Biernachschub schwer zu wünschen übrig. Da trifft es sich gut, dass von hinten ein Tablett an unseren Schultern vorbei kommt, zusammen mit der an Christoph gerichteten Ansage, dass dies kein Enzian sei. Christoph ist sich sicher, dass es Enzian ist, scheint mit der Situation als solcher aber nicht klarzukommen. Wir helfen ihm, indem wir beherzt nach dem Tablett greifen, von der Flüssigkeit probieren und bestätigen, dass es sich definitiv um Enzian handelt.

Christoph guckt mittelmäßig erfreut, als er dem Tablettreicher vier neue Enzian ausschenken muss. Unter seinem leicht resignierten, aber eindeutig zustimmenden Nicken vernichten wir auch den letzten Inhalt der Gläschen. Da Christoph nun wieder unser Freund ist, nutzen wir wenige Augenblicke später diesen Duschschlauch, der keine halbe Armlänge vor uns aus der Bar heraus wächst. An dessen Ende befinden sich drei Knöpfchen zum millilitergenauen Ausschank verschiedener Flüssigkeiten und wir füllen unsere Gläschen erneut. Selbst ist der Mann. Bei der zweiten Runde sind wir etwas unvorsichtig, und es stellt sich heraus, dass Christoph eine andere Auffassung von Freundschaft hat als wir. Er will Geld. Wir bieten ihm an, das vierte Gläschen für ihn mit einer Flüssigkeit seiner Wahl aus dem Duschschlauch zu füllen, aber er will nicht in Naturalien bezahlt werden. Weil wir mit unseren Skistiefeln eh nicht weglaufen können, Metzelder ja alles in allem ein akzeptabler Fußballspieler ist und wir nette Menschen sind, zahlen wir den gewünschten Betrag.

Plötzlich wird es in unserem Rücken laut und Christoph blickt fasziniert über unsere Köpfe in Richtung Berg. Wir drehen uns um und sehen im oberen Drittel des letzten Abhangs geschätzte 15 Personen auf dem Boden liegen. Alle paar Sekunden ändert sich das Bild. Immer mehr Personen fahren in den Hang hinein, fallen hin, stehen wieder auf, stürzen erneut und reißen sich gegenseitig um. Dabei fliegen ständig Skier, Stöcke oder Mützen durch die Gegend. Ein schönes Bild. Das muss man dieser offenkundig englischen Touristengruppe schon zugestehen: Sie weiß, wie man sich im Ausland zu verhalten hat.

Mit einfachen Mitteln gelingt es unseren Freunden, die gasamte Pilzbar in ihren Bann zu ziehen. Für einzelne, besonders gut gelungene Aktionen gibt es selbstverständlich Szenenapplaus. Aber auch weniger kunstvolle Versuche werden, vorausgesetzt sie sind rustikal genug vorgetragen, honoriert und mit Beifall bedacht. Gerade jetzt zum Beispiel pflügt ein x-beiniges Sommersprossengesicht mit solidem Tempo gefühlvoll drei seiner Mitschülerinnen auf einmal um. Das ist großer Sport und verdient ausreichende Würdigung. Kurze Zeit später kommen die ersten Mitglieder der versprengten Gruppe am Ende des Hanges an: Zwei Kopf voran auf dem Rücken rutschende, skilose Teenager, die sanft den vor der Pilzbar aufgestellten Snowboardständer anditschen und leicht verwirrt den vedienten Beifallssturm registrieren. Auch Marcus ditscht mit dem Kopf an, allerdings an einen Schirmständer, der sich ihm auf dem Weg zur Toilette in den Weg stellt. Nachdem wir den Schirm gemeinsam ausgiebig beschimpft haben, machen wir uns auf den Weg nach Hause.

Am Abend besuchen wir das Funkenfeuer. Funkenfeuer ist Hexenverbrennung light. Man verwendet dazu keine echte Hexe, sondern eine aus Stroh. Unsere Hexe fällt vom Scheiterhaufen, ohne vorher richtig zu verbrennen. Das ist, wenn man sich auskennt, irgendein Zeichen für irgendetwas. Die Spannung ist jedenfalls raus aus dem Abend. Jetzt könnte ein Bier weiterhelfen. Die Scheiterhaufenerbauer haben super vorgesorgt. Zudem gibt es viele bunte Flaschen mit niedrigen Prozentangaben. Prächtig. Ein schöner Abend. Wie wohl der Morgen wird? Ich sehe meine gerade so verheißungsvoll beginnende Laufkarriere leicht gefährdet.

Fortsetzung folgt …




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