Achillodynie: Wenn die Achillessehne zur „Achillesferse“ wird

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Die Achillessehne gilt als stärkste Sehne des Menschen (ca. 1 cm Durchmesser) – aber auch sie unterliegt dem Verschleiß. „Nichts bleibt für die Ewigkeit“ sangen schon Die Toten Hosen, und so beginnen hier verschleißbedingte Veränderungen – wenn nicht schon frühzeitig durch Überbelastung oder Verletzung – bereits ab dem 40. Lebensjahr. Meist vergeht noch ein weiteres Jahrzehnt, bis schließlich der Strukturwandel in diesem Gewebe als Schmerz in das Bewusstsein vordrängt.

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Insbesondere nach sportlicher Belastung treten Beschwerden an der Achillessehne (Achillodynie) wenige Zentimeter über dem Fersenbein auf. Häufig nimmt die Sehne deutlich an Umfang zu, ist berührungsempfindlich und schmerzhafte Verhärtungen lassen sich ertasten. Joggen geht gar nicht, jeder Schritt tut weh! Nach ein paar Tagen oder gar Wochen beruhigt sich die Angelegenheit wieder – aber nur, um schon bald wieder von vorne loszugehen …

Was ist geschehen?

Ständig und je nach Beanspruchung kommt es zu kleinen und kleinsten Verletzungen, Faserrissen und Strukturzerstörungen. Grundsätzlich ist der Körper in der Lage, geschädigtes Sehnengewebe durch Bindegewebe (Narbe) zu ersetzen. Jedoch zählen Sehnen zu den schlecht und nur langsam durchbluteten Geweben. In der Regel bedarf es einer mehrwöchigen Ruhepause, bis solche Schäden „repariert“ sind. Da niemand so lange stillhält, wird die Heilung immer wieder unterbrochen – und die Sehne zum Dauerproblem. Chronische Reiz- und Entzündungszustände, die nicht selten auch zu größeren Rissen bis hin zum Abriss der Sehne führen, sind die Folge.

Achillodynie – Was ist zu tun?

  1. P A U S E:
    Höre auf deinen Körper, Schmerz ist immer auch ein Warnsignal! Wer mit Schmerzen joggt, schädigt seinen Körper.
  2. Dehnen:
    Hier darf’s endlich einmal wehtun: Möglichst täglich und insbesondere nach dem Sport (isotonisch, d. h. nicht Wippen, jeweils für mindestens 30 Sekunden). Nicht nur für die Sehne, sondern vor allem die Muskulatur, die Wade, die Hamstrings und die Antagonisten – auch die Gegenseite.
  3. Abklären:
    Bevor man lange herumwurstelt, sollte abgeklärt werden, ob eine andere Verletzung vorliegt (z. B. Ruptur, Stressfraktur, knöcherne Exostosen/Sporne, Gelenkbeteiligung etc.). Der Arzt prüft die Sehne, macht ggf. eine Ultraschall-Untersuchung, röntgt oder veranlasst ein MRT.
  4. Exzentrisches Training:
    Eine isometrische Dehnungsübung ähnlich dem Rückwärts-die-Treppe-Herunterlaufen (Anleitungen findest du zum Beispiel auf Youtube).
  5. Weiche Sohlen:
    Weiche Sohlen sorgen für eine Reduktion des Impulses auf die Achillessehne.
  6. Medizinische Behandlung:
    Physio- und physikalische Therapie, Einlagenversorgung, Tapes, Fersenweichbettung (-Kissen), sog. extrakorporale Stoßwellen-Therapie (ESWT), ggf. Entzündungshemmer, ggf. OP.
  7. Umstellung des Lauftrainings:
    Runter vom Asphalt! Waldläufe, kürzere, schmerzfreie Trainingseinheiten, Umstellung von Fersen- auf Mittelfußlauftechnik (auch hierzu gibt es viel Material auf Youtube).

Beschwerden an der Achillessehne gehören zu den häufigsten schmerzvollen Begleiterscheinungen des Laufens. Wir hoffen, dass du von einer Achillodynie verschont bleibst – und falls es dich doch einmal erwischen sollte, dass dir mit diesen Tipps eine schnelle Genesung gelingt.

Dieser Text stammt aus der Feder von Sportmediziner Dr. Raimund Stammeier, der als niedergelassener Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie die nötige Kompetenz für solche Themen mitbringt. Wer in Berlin oder im (südwestlichen) Umland wohnt und ihn einmal in seiner Praxis aufsuchen möchte, findet weitere Informationen auf der Webseite seiner Gemeinschaftspraxis.



Bildnachweis: (c) freeimages.com/Crissy Pauley

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4 Kommentare

  1. Ich habe mich über ein Jahr mit einer Achillodynie rumgeplagt – die notwendige Laufpause war wirklich belastend. Vor allem für meine Familie, da die ja meine schlechte Laune aushalten musste … jetzt gehts alles wieder bestens.

    Am Ende hat bei mir neues Schuhwerk, sauteure Einlagen vom Profi und wiederholte Stoßwellentherapie geholfen.

    Hätte ich damals schon was von Nitrospray gehört, ich hätte es sofort probiert. Klingt irgendwie wirkungsvoll 😉

    Besten Gruß
    Alex

    • Hallo Alex,

      schön, dass es dir wieder besser geht, da hast du ja ganz schön was hinter dir …

      Auf eine schmerzfreie Laufsaison, viele Grüße

      Marko

  2. Hallo und danke für den informativen Artikel.

    Was hier vielleicht noch erwähnt werden darf, wäre, nach Absprache mit dem behandelnden Arzt, der Einsatz von Nitro-Spray auf besagter Stelle.
    Vor einigen Jahren hatte einer meiner Kunden, ein Orthopäde, überlastungsbedingt eine Achillodynie. Neben beschriebenen Methoden und einem Schuhmodellwechsel half das kutane Auftragen von Nitrospray.
    Die Behandlungserfolge diesbezüglich sind auch in einschlägiger Literatur nachlesbar.

    Beste Grüße und Sport frei.

    Torsten Fleischer

    • Hallo Torsten,

      vielen Dank für deinen Kommentar und den Hinweis zum Nitrospray – für den einen oder anderen sicherlich einen Versuch wert.

      Beste Grüße

      Marko

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